Gibt es Webdesign-Trends als solche?
Webdesign muss Unternehmensziele erfüllen, Ideen zum Ausdruck bringen und die Nutzer ansprechen. Internetnutzer werden mit sich immer schneller entwickelnden Technologien anspruchsvoller und wertender. Was ihnen veraltet erscheint, ist zum Scheitern verurteilt. Gute Webdesigner sind sich dessen bewusst und gehen mit der Zeit.
Erfolgreiche Online-Projekte, unabhängig davon, ob es sich dabei um Webshops, komplexe Webplattformen oder simple Corporate Websites handelt, verbessern sich im Bereich der Benutzerfreundlichkeit kontinuierlich. A/B-Testings, Nutzerfluss-Auswertungen und Eye Tracking Analysen sind heutzutage Standardinstrumente der Webdesigner. Darüber hinaus müssen Technologien sowie deren Möglichkeiten auf Barrierefreiheit beurteilt und in Bezug auf Skalierbarkeit bereits bei der Webdesign-Konzeption berücksichtigt werden.
Muss man also die aktuellsten Webdesign-Trends verfolgen, um Erfolg im Bereich des World Wide Webs zu verzeichnen oder steckt etwas viel Wichtigeres dahinter?

Webdesign und Gewohnheiten
Obwohl immer wieder neue Webdesign-Ansätze zu sehen sind, entsprechen sie grundsätzlich der Intuition der Benutzer in einer digitalen Welt. Ob es die horizontalen Top Level Navigationsleisten auf Desktop-Ansichten sind oder das Hamburger-Menü bei mobilen, responsiven Anwendungen – der Header und die gewohnten Steuerelemente ähneln sich oft, unabhängig von Funktionen, Konzeptionen, Hintergrundfarben und der Größe der Bilder. Benutzer mögen es, wenn die Funktionsumgebung wie Login, Suche, Wunschliste oder Call-to-Action-Elemente, vertraut bleibt. Ein Website Besucher sollte niemals über die Funktionalitäten einer Seite nachdenken müssen, während er sie nutzt.
Ein brandneues Design, das nicht mit der vorherigen Erfahrung der Benutzer interagiert, wird vermutlich wenig Erfolg haben. Professionelle Webdesigner helfen ihren Nutzern stets, neue Features zu verstehen, etwa indem sie die Scrolling Richtung vorgeben und Schriftgrößen sowie Farben nutzen, um die Aufmerksamkeit der Leser auf die wichtigste Information zu lenken. Es sind also Navigationsgewohnheiten und grundlegende psychologische Auslöser, die in gewisser Weise diktieren, wie eine benutzerfreundliche Website gestaltet werden sollte, und zwar jenseits von Webdesign-Trends.
Regeln, Einschränkungen und Templates
Es wäre schön, wenn die Psychologie der Nutzer und unsere Kreativität alles wäre, was ein Webdesigner für die Gestaltung einer Website benötigt. Ein Webdesigner sollte sich aber auch an gewisse Prinzipien, wie die Google Webmaster Richtlinien halten, um benutzerfreundliche Websites zu erstellen. Suchmaschinenoptimierung (SEO) fängt bereits beim MockUp an. Andernfalls besteht das Risiko, dass die Website durch negative User Signale an Sichtbarkeit verliert. Deshalb ist Webdesign immer an die zahlreichen Anforderungen angepasst und durch die Vorschriften und Technologien zum Teil beschränkt.
Usability vor Optik
Der Laie hört Webdesign und denkt vor allem an die Optik. Dies führt leider häufig zu unrealistischen ästhetischen Anforderungen; schlussendlich muss sich das Aussehen einer Website der Technologie unterordnen: Effektivität, Funktionalität – und damit Usability – gehen immer vor. Das heißt auch: Nur auf Webdesign-Trends aufspringen, wenn sie mit technischen Lösungen einhergehen.
geht vor:
Sollten einzigartige, aber komplexe visuelle Elemente die Funktionalität einer Website einschränken und beispielsweise die Ladegeschwindigkeit verzögern, lassen Sie sie bitte weg. Wer auf Webdesign-Trends setzt, sollte im Vorfeld prüfen, ob sie mit den notwendigen technologischen Komponenten vereinbar sind.

Responsives Webdesign
Die meisten Websites basieren auf responsiven Templates, das heißt, sie passen sich der Bildschirmgröße des jeweiligen Endgeräts an. Eine andere – mittlerweile veraltete – Möglichkeit ist ein individuelles, an die jeweiligen Bildschirmgrößen angepasstes Design. Dies ist allerdings bei der Anzahl an Formaten kaum zu bewerkstelligen und entsprechend teuer.
Die Nutzung eines responsiven Frameworks hat sich mit den Jahren durchgesetzt und damit sind auch die Möglichkeiten immer vielfältiger geworden. Trotzdem gilt es, einige feste Muster zu beachten: Header, Navigation, Grafiken, Text, Blöcke, Buttons und Funktionen müssen sich stimmig verhalten, egal ob auf einem Smartphone, Tablet oder 27-Zoll-Bildschirm. Unterschiedliche Bildschirmgrößen und Auflösungen (OLED, LCD oder Retina) bedürfen maximaler Flexibilität und sauberen Fluss der jeweiligen im Webdesign angedachten Elemente.
Für Webdesigner bedeutet dies zweierlei Herausforderung: Zum einen müssen sie die Regeln des Frameworks für responsive Design kennen. Zum anderen müssen Sie die Anordnung von Elementen auf unterschiedlichen Bildschirmgrößen simulieren.
ist gefragt:
Wenn auch nur ein Element der Seite, zum Beispiel auf mobilen Geräten, nicht (richtig) funktioniert, kommt die gesamte Arbeit eines Designers nicht richtig zur Geltung.
Webdesign-Trends richtig einsetzen
In den vergangenen Jahren sind viele Trends gekommen und gegangen. Bis zu einem gewissen Grad sollte eine moderne Website den (optischen) Tendenzen folgen, um die Erwartungen der Zielgruppe zu erfüllen und sie in ihren Bann zu ziehen. Wichtig ist allerdings stets, dass der Trend das Ziel der Website unterstützt. Einige der wichtigsten aktuellen Trends finden Sie hier:
1. Interaktivität
Interaktivität ist einer der Webdesign-Trends für 2021. Sie ist jedoch eher eine Notwendigkeit für immer anspruchsvoller und selbstständiger werdende Benutzer. Websites, die auf Nutzeraktionen reagieren, sind eine hervorragende Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu halten und User Experience zu steigern. Gezielt eingesetzt, bieten sie einen großen Mehrwert.
Ein Beispiel für Interaktivität sind beispielsweise Sprachschnittstellen oder virtuelle Assistenten. Ein Sprachbefehl kann Aktionen auf der Website ermöglichen, die sonst einiges Scrollen und Klicken erfordern hätten.
Interaktivität minimiert die Zahl notwendiger Aktionen und stellt Webdesigner vor neue Herausforderungen. Helfer-Indikatoren wie Zeiger, die auf Scrollrichtungen oder Links hinweisen, verlieren Ihre Relevanz. Stattdessen müssen Designer Annahmen treffen, wie genau Nutzer interagieren werden und diese Szenarien in der Gestaltung der Website verarbeiten.
2. Animation and 3D
Animation war vor einigen Jahren etwas Außergewöhnliches im Webdesign. Die Designer setzten darauf, Nutzer mit bewegten Objekten zu überraschen. Heute greifen Designer ganz natürlich auf Animationen zurück, um eine Website lebendiger zu gestalten. Dabei sind bewegliche Elemente unaufdringlich und harmonieren mit dem Hintergrund sowie statischen Details.
Einen ähnlich stark belebenden Effekt hat 3D: Dreidimensionale Elemente schaffen Aufmerksamkeit, ohne zum Beispiel kräftige Farben nutzen zu müssen. 3D beeindruckt und bindet ein – ganz gleich, wie viele 3D-Bilder Ihre Nutzer bereits gesehen haben. Besonders gut funktioniert der dreidimensionale Effekt mit nicht realistischen Details.
3. Back to Black und Farbgebung
Schwarz hat bereits vor langer Zeit die Aufmerksamkeit von Designern gewonnen und der Trend scheint sich zu halten. Zahlreiche Start-Ups und auch langjährig international erfolgreiche Plattformen setzen auf ein schlichtes, schwarz-weißes Corporate Design.
Besuch einer Website
mit schwarzen Akzenten?
Es ist ein Geheimnis, das fesselt, aber gleichzeitig Eleganz, Kraft und Erfolg vermittelt. Sie denken unbewusst, dass das Produkt oder Unternehmen hochwertig ist und auf jeden Fall Ihre Aufmerksamkeit wert.
Neben den positiven Vibes hat Schwarz weitere Vorteile: Kontrastierende Farben wirken auf schwarzem Hintergrund besonders hervorgehoben, fast wie edler Schmuck auf einem Samtkissen. Durch Farbverläufe, Matteffekte und Schattierungen können unterschiedliche Wirkungen erreicht werden. Schwarz wirkt stets vollkommen und zugleich simpel. So erstaunt es nicht, dass die unbunte Farbe gerne von Unternehmen verwendet wird, um Seriosität zu betonen und die richtigen Akzente zu setzen. Im Webdesign-Kontext ist es eine zeitlose Lösung, die barrierefrei zu implementieren ist.
verwechseln:
Ein weiterer aktueller Trend ist der Dark Mode, ein besonders dunkel gehaltenes Webdesign, das augenfreundlich und (vermeintlich) energiesparend sein soll.
4. Parallax und Überlappungen
Parallax Scrolling ist einer der Trends, die uns bereits seit einigen Jahren begleiten – zu Recht. Parallax Effekte ermöglichen eine Wirkung, die 3D ähnelt und zugleich viel einfacher wirkt. Gerade bei einer eher konservativen Zielgruppe ist dieser Trend genau richtig, da er den Eindruck von Tiefe und Bewegtheit vermittelt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Parallax ist ein klassisch stilvoller Effekt, der mit Hochglanzmagazinen assoziiert wird. Es ermöglicht Designern, mehrere Farbakzente zu verwenden, die sich ergänzen und miteinander interagieren. Außerdem ist es eine gute Möglichkeit, Platz auf Ihrer Website zu sparen, ohne den Stil zu beeinträchtigen. Sie können im Grunde jedes Element zum Überlappen verwenden, solange es wirklich wichtige Inhalte nicht bedeckt. Darüber hinaus funktioniert eine solche Lösung gut mit unterschiedlichen Stilen.
Fazit
Psychologische Faktoren, allgemeine Richtlinien sowie technische Anforderungen (zum Beispiel das genutzte Content Management System) beeinflussen die Optik einer Website in viel höherem Maße als sogenannte Webdesign-Trends. So ist auch allein die große Beliebtheit bestimmter Webdesign-Lösungen nicht ausreichend, um zu sagen, dass Webdesign-Trends als solche existieren: Animation, 3D und interaktive Elemente können als populäre Tendenzen betrachtet werden. Finden Designer einen Kompromiss, der sich optisch von den Standard Layouts abhebt und zugleich eine reibungslose Funktionalität der Website ermöglicht, haben sie alles richtig gemacht.